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Was ARD, ZDF, Deutschlandradio und Landesrundfunkanstalten von externen Podcast-Produktionen wirklich erwarten – inkl. Redaktionsworkflow, Sendungsnormen und technischen Anforderungen.

Podcasts sind für öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland ein zentraler Baustein im Audio-Angebot. ARD, ZDF, Deutschlandradio und die Landesrundfunkanstalten produzieren hunderte Formate pro Jahr. Wenn Du selbst für einen öffentlich-rechtlichen Sender produzierst oder als Auftragnehmer arbeitest, musst Du deren Anforderungen kennen – sie sind substanziell strenger als im freien Markt.
Anforderungen an öffentlich-rechtliche Podcast-Produktion
Die Anforderungen lassen sich grob in drei Blöcke teilen: Ton-Standards, redaktionelle Prozesse, Compliance und Barrierefreiheit.
Ton-Standards: Broadcast-tauglich
- Loudness-Normalisierung nach EBU R128: −16 LUFS (Podcast-Standard), Peak max. −1 dBTP
- True-Peak-Limiter pro Spur, kein Clipping erlaubt
- Kein De-Essing mit hartem Artefakt – ist in der Abnahme oft ein Ablehnungsgrund
- Saubere Stille zwischen Beiträgen (nicht absolut, leicht ambient)
- Stereobild: zentriert, keine extremen Panorama-Spielereien
- Formatcheck: WAV 48 kHz / 24 bit als Liefer-Master, MP3 als Distributions-Format
Redaktionelle Prozesse
- Skript-Abnahme vor Aufnahme – kein Schreiben im Studio
- Interview-Freigabe von Gesprächspartner:innen, insbesondere bei kritischen Themen
- Quellennachweis für alle Fakten (wird stichprobenartig in der Abnahme geprüft)
- Musik-Clearance: nur GEMA-freie oder Sender-lizenzierte Musik, kein Free-Music-Archive-Gedudel
- Jingle-Konformität: oft sender-spezifische Jingles Pflicht
Compliance und Lieferformate
- BWF (Broadcast Wave Format) mit Metadaten: Titel, Autor:in, Länge, Datum
- AAF-Export auf Anfrage für Avid-Workflows im Sender
- Skript-Datei (PDF oder Word) als Beileger
- Nutzungsrechte-Dokumentation für alle Sprecher:innen
- Sprecher:innen-Verträge im Sender-Template
Barrierefreiheit
Seit der Barrierefreiheits-Novelle müssen öffentlich-rechtliche Angebote barrierefrei sein. Für Podcasts heißt das:
- Transkript in voller Länge als Textdatei oder HTML-Seite
- Shownotes mit klarer Struktur, Kapitel-Markern und Links
- Einfache Sprache optional zusätzlich
- Video-Podcasts: Untertitel, optional Gebärdensprache
Wie läuft die Produktion ab?
Eine typische Produktion für eine Senderanstalt:
- Briefing von der Sender-Redaktion (Thema, Länge, Gäste, Format)
- Skript-Entwurf durch Produktionsfirma oder freie Journalist:in
- Skript-Abnahme durch Redaktion
- Aufnahme im Studio (Pro Tools, Broadcast-Standards)
- Grobschnitt und Feinschnitt
- Musik-Auswahl aus Sender-Pool
- Mastering auf EBU R128
- Abnahme durch Redaktion und Tonmeister:in
- Lieferung in allen geforderten Formaten
- Freigabe und Veröffentlichung
Unsere Studios für Sender-Podcasts
Wir produzieren in beiden Studios für öffentlich-rechtliche Kunden: Berlin-Friedrichshain für Hauptstadt-nähe, Frankfurt für den Hessischen Rundfunk und Regionalsender. Pro Tools, EBU R128, saubere Liefer-Workflows.
Das Wichtigste in Kürze
- Redaktioneller Workflow – Abnahmeschleifen einplanen
- Technische Anbindung (Peggy/Barix, Dateiformate)
- Lizenzfragen zu Musik, O-Tönen und Stimmen
- Tonnormen – LUFS und True-Peak für ARD/ZDF
Häufige Fragen
Braucht man ein Pitch-Papier für ARD/ZDF?
Ja, 2–4 Seiten: Thema, Zielgruppe, Format, Länge, geplante Staffel-Umfang, Budget-Grobrahmen, Team. Ohne Pitch-Papier keine Produktionsanfrage.
Wie lange dauert die Abnahme?
Bei ÖR typisch 2–3 Korrekturschleifen à 3–5 Werktage. Plane 2–3 Wochen zwischen Rohschnitt und Sendung ein. Bei Dokus mit O-Ton-Lizenzen länger (Musikklärung).
Was sind typische LUFS-Vorgaben der ÖR?
ARD: –18 LUFS integrated, True Peak ≤ –2 dBTP. ZDF: –17 LUFS. Deutschlandradio: –18 LUFS. Immer aktuelle Senderprotokolle prüfen, Vorgaben ändern sich.
Wer bezahlt Musik-Lizenzen?
Je nach Produktionsvertrag. Bei Auftragsproduktion: oft der Sender, aber du musst GEMA/GVL-Rechte klären. Bei Koproduktion: verhandelbar. Unbedingt schriftlich fixieren.
📚 Weitere Ratgeber rund um Schnitt, Podcast-Produktion und Postproduktion findest Du im Ratgeber-Hub der Schnittwiese Berlin.
